SHIRLEY VALENTINE

eine Komödie von Willy Russell
13 Sept – 21 Okt 2017
 
 

DIE PRESSE


Der spontane Ausbruch einer Frau in mittleren Jahren – „Shirley Valentine“ Vienna’s English Theatre. Cally Lawrence legt ein prächtiges Solo hin.

Wie kommt es, dass eine bodenständig wirkende Person mit der freundlich-gelben Wand in ihrer schlichten, sauberen Wohnküche spricht? Deutet sich Midlife Crisis an? Shirley Bradshaw ist 46, die Kinder sind bereits erwachsen und eben aus dem Haus, ihr Mann Joe ist „zufrieden mit dem, wie es ist“. Tote Hose. (…)

Nach und nach kommt es raus: Mrs. Bradshaw wäre lieber wieder Shirley Valentine. So lautet der Titel von Willy Russells britischer Komödie (1986) und dem preisgekrönten Film (1989) von Regisseur Lewis Gilbert. So hieß die Frau in diesem romantischen Drama als Mädchen. Sie war aufgeweckt, abenteuerlustig. Früh wurde sie dann Hausfrau und Mutter. Nun befürchtet Shirley, das Leben bereits endgültig versäumt zu haben, sie fühlt sich zurückgesetzt und ausgenutzt. Doch da bietet sich eine Chance: Ihre Freundin – eine Feministin! – wird für zwei Wochen auf Urlaub nach Griechenland fahren und will Mrs. Bradshaw zu dieser Reise einladen. Die zwei Tickets sind bereits gekauft. Wie soll Shirley das ihrem Mann beibringen? Allein beim Gedanken an eine Konfrontation fällt sie in breiten Midland-Dialekt. Darf sie den pauschalen Ausbruch aus dem Alltag wagen? Das Abenteuer lockt.

Die Taverne, das Meer und Kostas
Cally Lawrence, bekannt aus britischen TV-Serien, hat am Dienstag bei der Premiere in Vienna’s English Theatre in Adrienne Fergusons Inszenierung ein prächtiges Solo hingelegt. In zwei Stunden entwickelt sie einen Charakter, der Empathie weckt: Drei Wochen vor der Abreise sieht man eine Frau, die sich mit Mutterwitz geduldig durch den Alltag quält. Der Tag der Abreise ist durch gesteigerte Nervosität gezeichnet, die Pointen werden schärfer. Und am Ende, vor der Taverne bei Wein, Sonne, Meer und in Gesellschaft des Griechen Costas, der stets das Abenteuer sucht, wird Shirley vor allem sich selbst wiederentdecken. Wie verspannt und idiotisch wirken da im Vergleich andere britische Feriengäste, die Freundin, die Tochter und der Mann, über die sie schlicht und doch so punktgenau berichtet! Das Leben hat sie voll erfasst. Warmherziger Applaus.

Norbert Mayer
13.09.2017
 

WIENER ZEITUNG


Desperate Hausfrau

Vor der Pause englische Popmusik, am Ende Alexis Sorbas. Shirley Bradshaw, eine 46-jährige Hausfrau, redet zur Küchenwand, an der ein Kalender den Juni 1987 anzeigt, über ihr Leben und ihre Sorgen. Die Kinder sind aus dem Haus, ihr Mann Joe spricht kaum noch mit ihr und erwartet nur pünktlich sein Essen. Die Einladung ihrer feministischen Freundin Jane zu einem Griechenland-Urlaub weckt die Lebensgeister und die Abenteuerlust, die sie einst als Shirley Valentine besessen hat. Sie lässt ihren Mann zurück, startet im Süden in ein neues Leben und eine letztlich offen bleibende Zukunft.

Das schon 1989 verfilmte Erfolgsstück, das der Autor Willy Russell in seiner Heimatstadt Liverpool beginnen lässt, steht und fällt mit einer guten Solistin, die mit ihren Monologen einen ganzen Abend tragen kann. In Vienna’s English Theatre erweist sich Cally Lawrence unter der Regie von Adrienne Ferguson als perfekte Alleinunterhalterin, die mit Liverpooler Akzent, vor allem aber mit imponierender Mimik und Gestik besticht. Wenn sie andere Personen – etwa ihre Lehrerin, die Nachbarin, ihre Tochter, aber auch ihren neuen griechischen Freund – imitiert, über Sigmund Freuds Sexuallehre lästert oder vom Auftritt ihres kleinen Sohnes beim Weihnachtsspiel erzählt, bleibt kaum ein Auge trocken.

Das passende Bühnenbild, in dem die griechischen Landesfarben Blau und Weiß schon in Shirleys Küche zart auftauchen und im letzten Bild dann dominieren, lieferte Lothar Hüttling. Die Premiere endete mit viel Beifall und lauten Bravorufen für Cally Lawrence.

Heiner Boberski
15.09.2017
 

Metropole


Vienna’s English Theatre puts on a charming and wistful comedy, Shirley Valentine

There must be something about actors talking to inanimate objects that can make an audience laugh (remember Clint Eastwood berating an empty chair during the 2012 Republican National Convention?). In British playwright Willy Russell’s Shirley Valentine, the heroine talks to a rock. Unfortunately, it’s a Greek rock, so it can’t understand her.

To be clear, every bit of Shirley Valentine is meant to entertain. Much like an Eastwoodian maverick, Russell ventured into the lawless terrain of the one-woman show, a new genre in 1986, when he created his two-hour monologue that has become a staple of the West End and marked Russell’s debut on Broadway.

It was easy to see why on the second night of its current run at Vienna’s English Theatre. The audience of native and non-native speakers was in stitches, clearly having a wonderful time.

Second life

The comedy tells the story of Shirley Bradshaw (formally Valentine), a middle-aged Liverpudlian housewife, who faces a midlife crisis when her best friend invites her on a getaway to Greece.

Shirley (a formidable Cally Lawrence), and her husband, Joe, are empty nesters, her role of nurturing mother no longer needed. Serving her family as a one-stop shop for all things domestic, she can no longer remember why she fell in love with Joe in the first place. After 20 plus years of marriage, Shirley begrudges the dreary routines, drunken arguments and sexual abstinence. Above all, Shirley regrets no longer daring to dream.

Greece, the cradle of Western civilization, looks like the perfect place to find a new sense of purpose, even if it means a country where they eat squid! Once at the beach, it is not so much a Promethean zest for knowledge that spurs Shirley on but a raw desire to feel alive.

Like its working-class heroine, the plot of Shirley Valentine may seem simple. But Russell took a risk in writing this play. The entire comedy hinges on the audience’s capacity to relate to the feeling of squandered opportunity. Of course, few people can say they have always made the most of every chance.

Lightening our remorse, Russell’s humor is primarily situational, and Lawrence shines brightest during impersonations of her friends and family. Director Adrienne Ferguson decidedly kept this play in the ‘80s: Shirley references the Concorde, phone boxes and André Previn. She even wears shoulder pads. But all of these somewhat nostalgic details don’t really matter because in the end, Shirley’s plight is as relevant today as it was in the days of Margaret Thatcher.

Holiday in three acts

Eventually, Shirley indulges in a fling with the owner of a local tavern, and when Joe pleads for her return to England, she rejects him. The play ends with Joe en route to Greece, while Shirley promises the audience she will never go back.

Thus, Russell’s comedy seems to suggest that the next time we nd ourselves lonely, desperate or lost, we should try talking to our lawnmower or washing machine. Or even a rock. We could get a good laugh out of it.

At Vienna’s English Theatre, Ferguson and Lawrence succeed in making a monodrama from the ‘80s a relevant, hip and entertaining theater experience. It is Russell’s wry humor that nudges us and urges us to reevaluate our lives. It also saves Shirley Valentine.

Gerhard Posch
28.09.2017