TUESDAYS WITH MORRIE

Jeffrey Hatcher and Mitch Albom based on the book by Mitch Albom
28 Jan – 2 March 2019
 
 

DIE PRESSE


Ein kurzes Stück über Leben und Tod: „Tuesdays with Morrie“
Vienna’s English Theatre: Adrienne Ferguson inszeniert das Drama von Jeffrey Hatcher und Mitch Albom schnörkellos und doch mit viel Gefühl

Nicht vertrautes englisches Understatement, sondern melodramatisches Sentiment aus den USA herrscht derzeit in Vienna’s English Theatre: „Tuesdays with Morrie“ ist ein zartes Stück übers Abschiednehmen, es handelt von letzten Begegnungen zwischen einem alten Universitätsprofessor und einem seiner früheren Studenten. (…)
In Wien wird die Inszenierung von Adrienne Ferguson gezeigt. Am Dienstag gab es bei der Premiere für das schnörkellose und doch mit viel Gefühl aufgeführte Zweipersonenstück ausgiebig Beifall. John Atterbury spielt mit sanfter Ironie den Gelehrten, der an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) leidet. (…)

Die Begegnung verändert den Jüngeren, der sich seiner Midlife-Crisis nähert. Erfolg und Prestige zählen wenig, wenn man mit einem Sterbenden konfrontiert wird, der sich in Gleichmut übt und weiß: Die Liebe ist das Wesentliche. Man könne zwar über das Sterben unglücklich sein, aber unglücklich leben zu müssen, sei doch ein größeres Problem. Bei Mitch bricht plötzlich viel Verdrängtes auf. Menaul spielt voller Melancholie (und mit großem Geschick am Piano) einen Mann, der trotz großen Talents seine Berufung zum Jazzmusiker aufgegeben hatte, um eine lukrative Karriere als Sportreporter zu beginnen. Morrie aber hat Verständnis dafür, er ist stolz auf Mitch und gibt ihm einen weiteren Rat: mehr Gelassenheit.
Die behält der schwer Leidende bis zum Schluss. Atterbury verkörpert einen Stoiker, der große Empathie und grenzenloses Verständnis für sein Gegenüber hat. Am Ende aber – es wird langsam dunkel auf der kleinen Bühne des Englischen Theaters – dürfen auch Tränen fließen, wenn der alte Mann keine Luft mehr bekommt. Der Tod tritt ein, er gibt ihm, wie man sagt, seinen Frieden. Etwas davon konnte Morrie dem jüngeren Freund vermitteln. Und dem Publikum.

Norbert Mayer
01.02.2019
 

DER NEUE MERKER


TUESDAYS WITH MORRIE von Jeffrey Hatcher

Der amerikanische Autor Jeffrey Hatcher ist bekannt als Verfasser von „well made plays“, die auch meist ganz praktisch zu realisieren sind – zuletzt sah man vom ihm, auch im Englischen Theater, „A Picasso“, ein Zwei-Personen-Stück über Kunst. Nun spielt Vienna’s English Theatre „Tuesdays with Morrie“, wieder zwei Personen, wieder packende eineinhalb Stunden (….) Wie so oft bringen die Amerikaner wahre Geschichten auf die Bühne oder auf die Leinwand. Mitch Albom, erfolgreicher Sportreporter, hatte auf der Universität von Brandeis einst einen Soziologieprofessor der besonderen Art, Morrie Schwartz, den er besonders mochte und vize versa.
(…) Das Stück, das Jeffrey Hatcher aus Mitch Alboms Memoiren-Bestseller gemacht hat, stellt Mitch nun als Erzähler auf die Bühne, der seine letzten Begegnungen mit Morrie schildert und spielt – denn er hat wichtige berufliche Verpflichtungen ausgelassen, um in den letzten Monaten des alten Professors jeden Dienstag mit ihm zusammen zu sein. Und dabei zu lernen, was er in tiefster Seele wusste, dass es wichtigere Dinge gibt als Geld und Erfolg. Das ergibt Wortgefechte voll Humor und Nachdenklichkeit, von den beiden Beteiligten wunderschön liebevoll ausgetragen.
Freilich, wenn jemand dann auf der Bühne stirbt, dann wird es unweigerlich rührselig – aber Morries Weisheit und Mitchs Erkenntnisse transportieren sich. So dass der Zuschauer am Ende das gute Gefühl hat, einen Theaterabend mit den wichtigen Fragen des Lebens verbracht zu haben. Und etwas von der Empathie, die von der Bühne kommt, selbst zu fühlen.

Das funktioniert auch, weil in der einerseits sensiblen, andererseits Pointen nie verschmähenden Inszenierung von Adrienne Ferguson (in einem praktischen Bühnenbild von Judith Croft) so stimmig gespielt wird: Von Stefan Menaul, der als Mitch Antworten auf die großen Fragen des Lebens sucht, wenn ihm der Alltag nicht gerade dieses Leben wegfrißt, und John Atterbury, der den uralten, hinfälligen Morrie, bei dessen Anblick sich das Herz des Zuschauers zusammen zieht, mit souveränem Humor und menschlich-geistiger Überlegenheit spielt.

Renate Wagner
29. Jänner 2019