The Second City

Comedy Club Chicago
8 - 17 Jan 2004
 
 

DIE PRESSE


Das befreite Amerika

Komödie aus Chicago, verspielt und auch ziemlich bissig: “The Second City” überzeugte in “Vienna’s English Theatre” mit Respektlosigkeit.

Hurra, der Irak ist befreit! Die verschleierte arabische Sängerin preist die ihrem Land fast mühelos zugefallenen Werte der Demokratie – und nutzt die Gelegenheit, um dem gefangenen Saddam Hussein alles Übel dieser Welt an den Hals zu wünschen. Der Ehemann mit erkennbar falschem Schnurrbart weist sie zurecht. Also singt die Dame über Amerika, über das Recht auf Redefreiheit – und sagt US-Vizepräsident Dick Cheney, er und seine Truppen sollen sich schleunigst nach Hause scheren. Wieder erscheint der Ehemann und mahnt zur Zurückhaltung. Allerdings hat sich sein Schnurrbart zu einem veritablen Heftpflaster über dem Mund ausgewachsen.

“The Second City, Comedy Club Chicago” bietet eine erfrischend selbstkritische Gegenpropaganda zum derzeitigen Regierungskurs der USA, wenn etwa der eben gefeuerte Pressesprecher des Präsidenten über die wahren Kriegsgründe seines Landes auspackt. Dem Komiker-Sextett, bestehend aus Molly Erdman, Pip Lilly, Nicky Margolis, Lori McClain, Kevin McGeehan und Craig Uhlir, ist nichts heilig. Ihre abgründigen Sketches erinnern an “Monty Pythons Flying Circus”. Liebe, Sex, Tod, Beruf und Ehestand werden gründlich dekonstruiert, und das in einem atemberaubenden Tempo, unter sehr sparsamer Zuhilfenahme von Requisiten.

Zur Technik der Truppe, die musikalisch von Joe Grazulis betreut wird, gehören Stegreif- und Rollenspiele. Auf Zuruf aus dem Publikum werden Szenen erfunden, und diese Momente zeigen das große Können, das tiefe gegenseitige Verständnis der Komödianten. “The Second City”, aus einem Studenten-Ulk in den frühen fünfziger Jahren entstanden, hat sich seit der Klubgründung Ende 1959 als Kaderschmiede der amerikanischen Satire erwiesen: Alan Arkin, John Belushi, Bill Murray, Mike Myers oder Dan Akroyd, die später zu Superstars der Komödie wurden, traten dort auf. Clive Barnes schrieb in der “New York Times” über den Klub: “Die gesamte jüngere Tradition amerikanischer Theatersatire kann in drei Worten zusammengefasst werden: The Second City.” Auch die jungen Talente in Wien verdienen solches Lob.

norb
 

KURIER


Virtuose Comic-Strip-Performance

Am besten sich kopfüber hineinfallen lassen. Sich einlassen auf die Sketches und Satiren. In Vienna’s English Theatre gastieren mit der berühmten Stand-up-Comedy-Truppe “Second City” aus Chicago, wo einige der besten Komiker der Welt ihre Karriere begonnen haben, noch bis 17. 1. alte Bekannte mit neuem Programm:

Bei einer improvisierten Pressekonferenz aus dem Weißen Haus geht’s Schlag auf Schlag, als hätte Michael Moore Regie geführt. Dass dabei die Amerikaner im allgemeinen und George Bush im besonderen nicht gut wegkommen, versteht sich von selbst. Dann vollführt das Ensemble auf der Bühne – witzig, anarchisch, fantastisch – schlaue Karikaturen in unterschiedlichsten Szenen – entweder auf ein Stichwort oder auf Zuruf aus dem Publikum unmittelbar “On the Spot”-Improvisationen, Comic-Strip-Performances, wenn sie funktionieren. “Wir machen doch nur Spaß”, sagte einer aus dem Sextett mit Understatement. Aber Spaß, der das Zwechfell erschüttert und doch nicht auf die Hirnregionen vergisst. –

Werner Rosenberger INFO