das einfühlsame und komische Drama

VISITING MR. GREEN

von Jeff Baron
04 April- 13 Mai 2005
 
 

KRONEN ZEITUNG


Sozialdienst beim alten Mr. Green

Ein „Lehrstück für To­leranz und Akzeptanz in Bezug auf Minderheiten“, das mit dem KulturxPreis Europa 2001, gewürdigt wurde: ,Visiting Mr. Green” von Jeff Baron wird nun in Vienna’s English Theatre mit Erfolg gezeigt.
Das 1996 in Massachusetts uraufgeführte Stück von Jeff Baron thematisiert jüdisches Leben, Diskrimi­nierung durch Vorurteile, Generationenkonflikt und Homosexualität in span­nenden,  intelligenten Dialo­gen.
Der junge, aufstrebende HarvardxAbsolvent Ross Gardiner wird x als Bestra­fung für einen verschulde­ten Verkehrsunfall x von ei­nem New Yorker Richter dazu verurteilt, eine Art So­zialdienst zu leisten: Er soll den einsam in einer ver­wahrlosten Einzimmerwoh­nung hausenden verwitwe­ten Juden Mr. Green ver­sorgen. Die Begegnung ge­staltet sich zunächst schwie­rig …

Fingerspitzengefühl und viel Liebe zum Detail prä­gen die Inszenierung von Rex Garner, der sich selbst als liebenswerten Mr. Green und den jungen Aa­ron Serotsky als sympathi­schen Ross Gardiner vor­stellt. Sie hinterlassen ein berührendes Theatererleb­nis. Garner geht es um die Botschaft: Verständigung und EinanderxAkzeptieren sind möglich, auch wenn mitunter durch schmerz­liche Lernprozesse. Das gilt auch für Ross Gardiner selbst, der sich in seiner Ei­genart selbst akzeptieren lernt …
Den beiden Darstellern gelingt es imponierend, das Thema aus seiner „Kopflas­tigkeit“ herauszuführen, die Probleme unserer Gesell­schaft zu demonstrieren und engagierte Diskussio­nen anzuregen.
                              
Florian Krenstetter
 

WIENER ZEITUNG


“Visiting Mr. Green” im English Theatre

Besuchen,Sie doch Mr. Green
  
Brilliante Schauspieler und ein mehrfach ausgezeichnetes Stück. Was soll das noch schief gehen, wenn im Vienna’s English Theatre Ross Gardiner unversehens in das Leben von Mr. Green platzt?

„Who are you?“, zeigt sich Mr. Green über den Besuch des jungen Mannes verwundert. Eigentlich will er keine fremden Leute in seiner Wohnung haben, in der er seit dem T od seiner Frau allein lebt.

Doch Ross Gardiner kommt in der nächsten Woche wieder. Ein Richter hat ihn wegen Raserei dazu verurteilt, Sozialdienst zu leisten und Mr. Green zu betreuen. Beim dritten Besuch beginnt das Eis zu brechen, gefriert aber schnell wieder, als Mr. Green näheres über seinen Helfer erfährt. Die Sturheit des alten Mannes mündet in einem handfesten Streit, der aber tiefer Verborgenes freilegt.

Rex Garner, der das Stück in Wien auch inszeniert, brilliert in der Rolle des störrischen, verschlossenen alten Mannes, der in einer Welt der jüdischen Traditionen, ohne Fernseher, Kreditkarte od er Telefon lebt. Unübertrefflich ist der Zynismus des alten Mannes, der dem Stück eine außergewöhnliche Brise Humor verleiht.

Aaron Serotsky, zum ersten Mal auf einer europäischen Bühne, fühlt sich sichtlich wohl in der Rolle des Ross. Mit Leichtigkeit mimt er den starken Geschäftsmann, der sich erst nach und nach seinem neuen Freund öffnet, s od ass am Ende beide von der Begegnung profitieren, in die sie der Umstand gebracht hat, dass Ross Gardiner Mr. Green beinahe angefahren hätte.

Barbara Ottawa    
 

KURIER

                                              
Grandios und berührend

Die Latte lag hoch nach schauspielerischen Glanz­ leistungen von Fritz Muliar und Michael Dangl im gleichen Stück: Aber verdienten Jubel erntete am Mitt­woch auch eine fein ziselierte Aufführung von Jeff Barons tragischxkomischer Männerkomödie „Visiting Mr. Green“ in Vienna’s English Theatre (bis13. 5.).

Verstoßener, jung und erfolgreich, trifft auf Verstoßenen, alt und einsam. Beide Juden. Aaron Serotsky, der junge Ross, outet sich als schwul. Am problemati­schen Umgang mit Tabus und Wertvorstellungen zwi­schen den Generationen entzünden sich die Pointen.

Hinreißend und bezaubernd: Rex Garner in seiner menschlichen Tiefe als schrulliger Alter, der – in seiner heilen Ich – Welt gefangen – zu Toleranz findet.
                                                                                     
ros

KURIER – Wertung: *****