MOONLIGHT AND MAGNOLIAS

von Ron Hutchinson
31. März – 10. Mai 2014
 
 

KURIER


Aberwitziges rund ums Making-of von „Vom Winde verweht“

Selten so gelacht wie bei der hinreißenden Boulevardkomödie „Moonlight and Magnolias“ von Ron Hutchinson in Vienna’s English Theatre. Bei der Premiere Dienstag gab es Lachsalven ohne Ende beim Blick hinter die Kulissen Hollywoods des Jahres 1939 auf das legendäre Chaos bei den Dreharbeiten des größten Films aller Zeiten „Vom Winde verweht“. Philip Dart hat die „Backstage-Comedy“, die ein bissiges Licht auf Aberwitz und Hysterie der Filmindustrie wirft temporeich inszeniert.

Brillantes Lustpiel

Produzent David O. Selznick, grandios exaltiert verkörpert von Mark Pearce, stoppt die Aufnahmen und will ein neues Script vom Routinier Ben Hecht (Neil Bromley), der aber keine Zeile des Romans gelesen hat. (…) Die Zeit drängt. Und Selznick greift in der Not zu ungewöhnlichen Mitteln: Gemeinsam mit Regisseur Victor Fleming (Mark Elstob) spielt er ihm die komplizierte Handlung vor. Sie schreien, lieben, prügeln und gebären die Story in fünf Tagen, übernehmen alle Rollen gleichzeitig. Und wer hätte gedacht, dass im dicklichen Selznick eine kokette Südstaatenschönheit schlummert. Und dass der abgebrühte Fleming sich als naives Sklavenmädel wehleidig jammernd am Boden wälzen würde? Nach viel Dramatik und vielen Pointen ist’s vollbracht: ein Drehbuch aus dem Stoff, aus dem Filmlegenden sind.

3. April 2014
Werner Rosenberger
 

Wiener Zeitung


Mit Bananen zum Erfolg

Was Erdnüsse mit der Entstehung von “Vom Winde verweht” zu tun haben.

Sind Bananen und Erdnüsse die Basis für den großen Erfolg? Kann man unter ihrem Einfluss sogar das Drehbuch zum kommerziell erfolgreichsten Film aller Zeiten in fünf Tagen schreiben? In Ron Hutchinsons Stück “Moonlight and Magnolias” ist das so.

Hollywood-Produzent David O. Selznick hat die Nerven weggeschmissen: Nach Jahren an Vorbereitung und der Investition eines beträchtlichen Vermögens ist er nur drei Wochen nach Beginn der Dreharbeiten zu “Vom Winde verweht” unzufrieden. Kurzerhand feuert er den Regisseur und verwirft das Drehbuch. Richten sollen es Schreiberling Ben Hecht und Regisseur Victor Fleming, der einfach von den Dreharbeiten zum “Zauberer von Oz” abgezogen wird. Doch da gibt es zwei Probleme. Erstens soll in fünf Tagen das neue Drehbuch fertig und in einer Woche sollen die Dreharbeiten wiederaufgenommen sein. Zweitens: Hecht hat das Buch zum Film nicht gelesen. Da hilft Selznick nur eins: Hecht und Fleming gnadenlos in einen Raum einsperren. Fünf Tage Klausur, in denen lediglich Erdnüsse und Bananen als Nahrung aufgetischt werden. Dies fördere die Kreativität, ist er überzeugt. Und damit Hecht das Buch nicht erst lesen muss, inszenieren für ihn Produzent und Regisseur die Szenen des 1000-Seiten-Wälzers, die dieser dann flockig in Skript-Sprache übersetzt. Der Wettlauf mit der Zeit und Zermürbung beginnt.

Ob es sich wirklich so zugetragen hat? Eher nicht, auch wenn es Schwierigkeiten gab. Doch unterhaltsam ist “Moonlight and Magnolias” allemal. Durchsetzt mit viel gutem Witz, lässt es einen den Drang verspüren, sich den alten Schinken “Vom Winde verweht” wieder einmal anzusehen. Dies nicht zuletzt dank der sehr guten schauspielerischen Leistung des Ensembles (besonders herausragend Mark Eltsob als mal angriffslustiger, mal ulkiger, mal desperater Regisseur Fleming).

03.04.2014
Alexander U. Mathé
 

KRONENZEITUNG


Scherz, Charme, Ironie

Große Kunstwerke brauchen große Geschichten. Besonders Hintergrundgeschichten, Entstehungslegenden und Anekdoten, die eine “menschliche” Seite beleuchten. So wagt das Theaterstück “Moonlight and Magnolias” einen Blick in die Drehbuch-Werkstätte des ersten echten Blockbusters “Vom Winde verweht”: Amüsant!

Es ist jener Film, der mehr einspielte als jeder andere vor oder nach ihm. Und er gehört für viele – auch noch 75 Jahre nach seiner Entstehung – nach wie vor zum großen Tränenkino. In Vienna‘s English Theatre darf das Publikum nun ein wenig eine Entstehungslegende des Drehbuchs miterleben. Also: Drei Männer – der Produzent, ein eilig hinzugerufener Regisseur und ein routinierter nur fünf Tagen ein neues Drehbuch zu schreiben. Das Problem: Der eigentliche Autor kennt als wahrscheinlich einziger Amerikaner den Originalroman nicht! Also spielen ihm Regisseur und Produzent alle Szenen des Buchs vor… Daraus spinnt Ron Hutchinson einen phantasievoll spaßigen Theaterabend, der zahlreiche Lacher beschert. Was passiert, ist zwar vorhersehbar – aber gerade deshalb auch sehr unterhaltsam: Man streitet über Szenen, gerät sich in die Haare, streitet und versöhnt sich, kaut Grundsatzthemen des Film-Biz durch und ist dabei immer rührend und sympathisch, witzig und charmant. In solchen Situationen darf outriert werden. Klamauk ist angesagt – die Filmemacher sind ja schließlich nach fünf Tagen Arbeit ohne Pause am Rande des

Wahnsinns angekommen. All das inszeniert Philip Dart gekonnt, routiniert und mit sehr viel Ironie. Mark Pearce, Neil Bromley und Mark Elstob spielen mit Tempo und schauspielerischer Handwerkskunst.

09. April 2014
Oliver Lang