Agatha Christies

WITNESS FOR THE PROSECUTION

mit Katharina Stemberger
4. Nov – 21. Dec 2013
 
 

KURIER


Täuschung überall: “Traue niemals einer Frau”.
Kritik: Das Vienna’s English Theatre zeigt Agatha Christies “Zeugin der Anklage”.

Die Latte liegt hoch bei diesem Glanzstück über die Manipulierbarkeit der Strafjustiz. Groß ist die Herausforderung: Hat doch jeder bei „Zeugin der Anklage“ die Verfilmung von Billy Wilder mit Marlene Dietrich und Charles Laughton im Kopf.

Aber in Vienna’s English Theatre ist der Agatha-Christie-Klassiker „Witness for the Prosecution“ (bis 21. Dezember) von Philip Dart als Gerichtsdrama voller Humor, Spannung und spektakulärer Wendungen sehr effektvoll in Szene gesetzt.

Das Thema der Täuschung ist im genial konstruierten Stück allgegenwärtig. Wie überall, wo Menschen Entscheidungen zu treffen haben, besteht auch vor Gericht die Möglichkeit, auf unterschiedliche Art und Weise hinters Licht zu führen – und geführt zu werden. Sue Mayes hat die Möglichkeiten der Theaterbühne bis an die Grenzen ausgereizt, um rasch von einer Anwaltskanzlei in einen typisch englischen Gerichtssaal zu wechseln.

Katharina Stemberger umgibt sich als Ehefrau des Angeklagten, der eine reiche ältere Dame ermordet haben soll, mit einem Geheimnis und spielt sehr differenziert zwischen kokett und kalt berechnend alle Facetten der schönen Romaine aus.

Sie spricht akzentfreies, britisches Englisch und ist in der Josefsgasse die eigentliche Attraktion neben dem wortgewandten Sir Wilfrid Robarts (Robin Kingsland), dem Star-Verteidiger mit dem messerscharfen Verstand. Unterhaltung auf hohem Niveau – nicht nur für Krimi-Freunde!

6. Nov. 2013
 

Die Presse


Die Zeugin der Anklage sorgt für irre Volten

Katharina Stemberger bezaubert in einem klassischen Krimi von Agatha Christie in Vienna’s English Theatre.

Marlene Dietrich gelang es im Film von Billy Wilder mit großem Erfolg, nun hat es ihr Katharina Stemberger auf der Bühne nachgemacht: Kluge, berechnende Frauen, die in einem Kriminalspiel von Agatha Christie vorkommen, lassen niemanden kalt. Das war auch bei der Premiere von „Witness for the Prosecution“ diese Woche in Vienna’s English Theatre so.

Philip Dart hat ein – besonders im Finale – rasantes, pointiertes Drama inszeniert, in dem Stemberger der entscheidende Farbtupfer sein darf. Sie spielt nuanciert in dem sonst mit englischen Native Speakers bestens besetzten Zweiakter eine österreichische Immigrantin – die Zeugin der Anklage, die im Kontrast zu ihrem des Mordes bezichtigten Mann eine wundersam schillernde Figur abgibt. Warum belastet sie ihn? Am Schluss, nach einigen kühnen Wendungen glaubt man, klüger zu sein. Aber wer weiß schon, welchen Aussagen man trauen darf. Und trügt die Erinnerung? Oder gab es im Film gar nicht so viele Volten wie hier?

Was ist geschehen? Eine reiche Frau im reifen Alter ist in London erschlagen worden. Kurz zuvor hatte der simpel wirkende, arbeitslose Leonard Vole (Chris Polick) sie besucht. Der junge Mann war von dieser Gönnerin bald schon zu ihrem Haupterben gemacht worden. Der Fall scheint eindeutig: Er ist der Täter! Vor seinem gewandten Verteidiger Sir Wilfrid (Robin Kingsland) liegt die fast unlösbare Aufgabe, Voles Unschuld zu beweisen.

Raffinierte Wortgefechte vor Gericht

Der Angeklagte glaubt ein Alibi zu haben, seine Frau Romaine (Stemberger) sollte das bezeugen. Um ihre Aussage dreht sich das Stück, zu dessen Farbe eine ganze Reihe typisch britischer Charaktere mit diversen Akzenten beiträgt: der exzentrische Richter, die verbitterte alte Jungfrau, das naive Hausmädchen, der pompöse Ankläger – sie alle übertreiben ihre Rollen gerade um so viel, dass es noch angenehm glaubhaft ist. Das Drama, das im Anwaltsbüro und vor Gericht spielt, ist dicht im Text und rhetorisch abwechslungsreich, das Ensemble meistert diese brillanten, von Christie raffiniert montierten Wortgefechte mit Bravour. Da vergisst man die Statik, die sich durch den natürlichen Alterungsprozess eines 60 Jahre alten Thrillers und das bescheidene Interieur der kleinen, von Sue Mayes effizient ausgereizten Bühne ergibt. Hier wird eine Art Kammerspiel gepflegt, die sich seit Generationen bewährt hat.

Norbert Mayer
08.11.2013
 

NEWS


Agatha Christie, unterhaltsam
“Zeugin der Anklage” mit Katharina Stemberger

Dass es Aufführungen wie diese gibt, hat man als Besucher avancierter deutschsprachiger Theaterinstitute schon vergessen: das Arrangement des Stückinhalts mit keiner anderen Ambition, als eben diesen Inhalt schlüssig und unterhaltsam wiederzugeben.
Derlei britische Tugenden bringt der Regisseur Philip Dart nach Wien. Agatha Christies kriminalistische Apotheose einer liebenden Frau gewinnt durch starke Dialoge und, in erster Linie, Katharina Stembergers Präsenz.

Achtbar: Robin Kingsland und Chris Polick.

H.S.
14.11.2013
 

Der Standard


Agatha packt die Perücken aus

Vienna’s English Theatre: “Witness for the Prosecution”

Wien – Agatha Christies Gerichtskrimi Witness for the Prosecution dreht sich primär um die Frage, wer die Wahrheit spricht. Strafverteidiger Sir Wilfrid Robarts (Robin Kingsland) tappt auch im Vienna’s English Theatre bis zum überraschenden Ende im Dunkeln. Tatsächlich ist der finale Plot-Twist das Um und Auf des Stücks und darf, selbst wenn Billy Wilders Verfilmung mit Marlene Dietrich kanonisiert ist, auf gar keinen Fall verraten werden.

Sogar im Programmheft der Inszenierung von Philip Dart werden noch falsche Fährten gelegt. Klar ist lediglich, dass der junge Leonard Vole (Chris Polick) des Mordes an einer wohlhabenden Dame beschuldigt wird. Die Beweislast ist erdrückend und das gurkenkühle Gebaren von Voles Frau und Alibi Romaine (Katharina Stemberger) mehr als rätselhaft. Für Sir Robarts wird es kein Leichtes, seinen Klienten vor dem Galgen zu bewahren.

Die Aufführung gibt sich betont klassisch. Barocke Musik eröffnet das Spiel, Freunde der gepflegten Holzvertäfelung sollten beim Bühnenbild von Sue Mayes schwitzige Pfoten bekommen. Auch die Lockenperücken sitzen perfekt. Der Esprit von Wilders Regiearbeit fehlt leider, doch sorgen mit Robarts’ Sekretärin (Clare Scott) und dem Richter (John Fleming) zwei Nebenfiguren für etwas Witz.

Stemberger, nomineller Star der Inszenierung, fügt sich mit rollengerechter Distanziertheit in das Ensemble ein, zeigt aber zum Schluss spürbare Emotionen. Ansprechend agieren auch die übrigen Darsteller dieses artig unterhaltenden Klassikers.

Dorian Waller
18.11.2013