RING OF FIRE – The Music of Johnny Cash

Musical von Richard Maltby, Jr. Konzipiert von William Meade
5. Nov – 22. Dez 2018
 
 

Wiener Zeitung


Im Banne der Musik
Johnny-Cash-Musical in Vienna’s English Theatre.

Ein Pflichtprogramm für Anhänger amerikanischer Country Music, aber sicher auch ein unterhaltsamer Abend für viele andere Musikfreunde, damit kann derzeit Vienna s English Theatre aufwarten: Die Europapremiere des Musicals “Ring of Fire – The Music of Johnny Cash” von Richard Maltby Jr. und William Meade schlug beim Publikum voll ein. Dabei bekommt man kein Theaterstück, sondern ein Konzert mit biografischen Einschüben geboten. Aber dieses Konzert auf einer mit Holzplanken dekorierten Bühne, umrahmt von Schwarz-Weiß-Bildern aus Johnny Cashs jungen Jahren, hat es in sich. Unter der Regie von Sherry Lutken begeistern, als Ensemble besonders bei “I ve Been Everywhere”, die immens musikalischen sechs Sänger, die abwechselnd mehrere Instrumente spielen und sympathische Spielfreude ausstrahlen. Der stimmlich sehr an Cash erinnernde David M. Lutken führt das starke Ensemble – Michael Hicks, Megan Loomis, Morgan Morse, Helen Jean Russell, Sam Sherwood – an. Das Trumpf-Ass des Abends sind natürlich die Songs des als “Man in Black” bekannten Johnny Cash (1932-2003), dessen Leben vom “Country Boy” bis zum erfolgreichen, tiefgläubigen Sänger hier skizziert wird – samt Drogenproblemen, zwei Ehen und seinen berühmten Auftritten in Gefängnissen. Ob “Cry, Cry, Cry”, “A Boy Named Sue”, “I Walk The Line” – etwa 30 Cash-Hits werden schmissig, aber auch gefühlvoll präsentiert. Bei der Premiere sorgte viel Applaus noch für die eine oder andere Zugabe.

Heiner Boberski
09.11.2018
 

Musical Cocktail


Seit 5. November wird mit RING OF FIRE der Geist eines der erfolgreichsten Künstler der USA auf der Bühne des Vienna English Theatres zum Leben erweckt. Doch bei dem Musical von Richard Maltby Jr. und William Meade geht es allerdings um weit mehr als um eine bloße Biographie von Johnny Cash. Mehr noch behandelt es generelle Themen, die in Cashs Musik aufgegriffen werden, es geht um seine Musik als Ganzes, um sein (Nach)Wirken. Stellvertretend wird mit Johnny Cash das menschliche Leben, die Menschlichkeit veranschaulicht. Genauso wenig porträtieren die Schauspieler nur Figuren aus Cashs Leben, sie wechseln zwischen Realität und dem Abstrakten, stellen die Themen der Lieder dar.
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Die Rolle von Johnny Cash teilen sich David M. Lutken und Sam Sherwood, sie stellen dabei jeweils den älteren und den jüngeren Cash dar. Lutkens Stimme ist wie geschaffen für die Lieder von Cash und reicht in die tiefsten Tonpassagen, trotz der dunklen Zeiten blickt sein älterer Cash gerne auf sein Leben zurück und beobachtet und kommentiert sein jüngeres Ich. Während sich der ältere Cash durch einen trockenen Humor auszeichnet, verleiht Sherwood der jüngeren Version ein jugendhaft schelmisches Wesen und überzeugt durch seine locker sympathische Art.
Ebenso wird Cashs zweite Ehefrau June Carter von zwei Schauspielerinnen verkörpert: Helen Jean Russell (als ältere June) und Megan Loomis (als junge June). Die Zuneigung und das innige Verhältnis zwischen Johnny und June bringt Russell perfekt zur Geltung. Loomis June besitzt viel Witz und hat die Lacher auf ihrer Seite, als erste Ehefrau Louise Cash sorgt Loomis hingegen für einen Moment, der ans Herz geht: Wenn sie der Einsamkeit von Louise Ausdruck verleiht, während Johnny Cash sie aufgrund seiner Musikkarriere alleine lässt.
Auch Michael Hicks und Morgan Morse fügen sich harmonisch in das Ensemble ein, übernehmen die verschiedensten Rollen und beweisen auch insbesondere an den Instrumenten ihr Können.
Alle Mitglieder der Besetzung switchen zwischen den unterschiedlichsten Parts und diese Wandel funktionieren scheinbar mühelos. Beeindruckend ist, dass der gesamte Cast selbst an den Instrumenten spielt – sogar an mehreren: Bass, Violine, Mundharmonika und natürlich Gitarre sind nur ein paar Beispiele. Dass es sich hier um eine aufeinander perfekt abgestimmte Gruppe handelt wird insbesondere in „I’ve been everywhere“ ersichtlich, in immer schnellerem Tempo wechseln sich die Schauspieler mit den Songzeilen ab, ohne ins Stocken zu kommen.

Das Setting (David M. Lutken) und das Licht (David W Kidd) erwecken eine familiäre, intime Atmosphäre und lässt Country-Feeling aufkommen. Musik ist hier auch ein essentieller Bestandteil, oftmals sind es die Instrumente, die das Zentrum bilden und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Kostüme von Marla Jurglanis sind ebenso passend, ganz nach seinem Ruf trägt der alte Johnny Cash Schwarz, welches der jüngere ebenfalls übernimmt. Den Höhepunkt erreicht dies in „Man in Black“, in welchem das gesamte Ensemble in schwarzer Kleidung auftritt und die Botschaft dadurch unterstreicht.
Regisseurin Sherry Lutken schafft mit RING OF FIRE ein Musical, bei dem nicht nur Fans von Johnny Cash und dessen Musik auf ihre Kosten kommen. Wer die Chance hat, soll sie ergreifen, bis 22. Dezember ist noch Zeit hierfür. Als zusätzliches Schmankerl veranstaltet das Vienna English Theatre mit dem Cast jeden Samstag nach Ende der Show ein Hootenanny, ein gemeinsames improvisiertes Volksliedersingen. Und das kostenlos!

Lisa Murauer
30.11.2018