FALLEN  ANGELS

by Noël Coward
27 March - 06 May 2006
 
 

Die Presse


Leichtigkeit ist nicht so leicht

Geglückte und missglückte Komödien in Wien.

Leichte Komödien sind in der deutschen Literatur eine Rarität. Macht nichts, man kann sich ja in “Vienna’s English Theatre” die “Fallen Angels” ansehen, wenn man anspruchsvolle Zerstreuung sucht. Noel Coward, der diesen Dreiakter 1925 geschrieben hat, zählt zu den geistreichsten Autoren dieses Fachs. Es ist der unnachahmliche Plauderton, der an seinem Werk fasziniert, die Handlung erscheint meist nebensächlich, man geht in diese Stücke wie zu einem Ball.

Zwei Londoner Damen (Harriet Benson, Sasha Waddell), deren Ehemänner (Chris Courtenay, Robin Sebastian) bald zu einem Golf-Wochenende entschwinden (sie kehren überraschend früh zurück), werden von der Ankündigung des Besuches ihres ehemaligen Liebhabers Maurice (Anthony Debaeck) überrascht. Sie hatten den Franzosen vor sieben Jahren in Italien nacheinander kennen gelernt, gebraucht und versetzt. In der Hauptsache handelt die Komödie nun davon, wie sich diese zwei Busenfreundinnen bei einem alkoholgetränkten Dinner über diese Affäre erregen, entzweien und die Sache doch noch zu einem Happy Ending bringen. Die skurrile Perle (köstlich Jean Perkins als Saunders) darf nicht fehlen, dieses Frauentrio erzeugt mit perfektem Timing ein tolldreistes Sittenbild der besseren Gesellschaft, selbst wenn das Ganze vor dem Finale etwas überdehnt wird. Solch schwerelose britische Kost, wie sie in diesem Fall Terry Parsons inszeniert hat, ist ganz einfach ergötzlich.

Leichte Komödien sind hierzulande eine Rarität. Das zeigt sich leider bei einem Auftragswerk des Mozart-Jahres, mit dem der sonst so geistreiche Romancier Herbert Rosendorfer bedacht wurde. Für die Freie Bühne Wieden hat er “Süßmayr oder Die Rückkehr ins Serail” geschrieben, Regie führt Hausherr Gerald Szyszkowitz. Der Plot: Ein alter Autor dichtet mit Hilfe eines jungen Komponisten Mozarts exotisches Singspiel um, aus einem absurden Grund: Er will Konstanze in die Arme nehmen. Es treten Personen aus den Opern des Meisters und auch aus seinem persönlichen Umkreis auf, eine an sich illustre Gesellschaft. Doch das Stück kommt nie so richtig in Schwung, die schauspielerische Leistung ist durchwegs mäßig. “Die Regisseure des Regietheaters, die bringen selbst den Mozart um”, heißt es in einem Gstanzl. Manchmal reicht auch ein Librettist.

norb
 

Wiener Zeitung


Engelsgleiche Eintönigkeit ade!

Ach, die guten alten Zeiten als Komödien noch harmlos waren, ohne vulgäre Ausdrücke, Nacktszenen, lustige Gewalt – wo es nur darum geht, dass zwei relativ glücklich verheiratete Frauen einen Abend lang philosophieren, wie sie es am besten anstellen mit einem ehemaligen Liebhaber ins Bett zu kommen.Noël Coward’s “Fallen Angels” schockt heute niemanden mehr, aber es amüsiert noch genauso wie vor über 80 Jahren. Das English Theatre bringt diesen Klassiker in einer einfachen, aber gerade deshalb sehr ansprechenden Inszenierung auf die Bühne.

Alle Rollen sind hervorragend besetzt, die Charaktere gut getroffen. Die Hauptdarstellerinnen Harriet Benson (Julia) und Sasha Waddell (Jane) übertreffen einander als betrunkene Ehefrauen, die sich nach Maurice (Anthony Debaeck) verzehren.
Jean Perkins brilliert als Hausmädchen Saunders, die weniger Dienstbotin als Lebensberaterin ist. Wunderbar sind auch Robin Sebastian (Willy) und Chris Courtenay (Fred) als gehörnte Ehemänner.

Ein gelungener Abend!

Barbara Ottawa