CHARLEY´S AUNT

by Thomas Brandon
03 Nov - 19 Dec 2008
 
 

WIENER ZEITUNG


Tante zum Lachen

Das Bild ist einfach zum Quietschen: Der Student in dem schwarzen aufgeplustertem Kleid mit dem Spitzenhäubchen gibt wirklich ein göttliches Bild ab. Doch es ist nicht nur die Aufmachung von James Cawood alias Lord Babberley als Charley’s Aunt, die das gleichnamige Stück im English Theatre zu einem Brüller macht: Auch die grandiose, leicht zynische Inszenierung sorgt für umwerfende Situationskomik.

Zum Inhalt: Charley und Jack brauchen für ein Rendezvous mit ihren Herzensdamen eine Anstandsdame. Da kommt der Besuch von Charleys schwerreicher Tante aus Brasilien gerade recht. Als diese jedoch nicht auftaucht, muss Freund Babberley herhalten und sich als Tante verkleiden. Nur gegen Ende wird das turbulente Stück etwas langatmig.

Star des Abends ist Cawood, der in seiner Rolle als “Charley’s aunt from Brazil” voll und ganz aufgeht. Cawood ist ein Meister der Mimik und Grimassen – und bringt die Zuschauer schon allein damit zum Lachen. Obwohl es für Cawoods Kollegen schwer ist, sich neben ihm zu beweisen, schlagen sie sich gut. Leider geht ihre Bemhung um ein verständliches Englisch gelegentlich zu Lasten ihrer Spontaneität.

Stefanie Dirnbacher
10.11.2008
 

DER STANDARD


Liebesstürme mit Anstandsdame

(…) Sobald man sich von Brandon Thomas’ Charley’s Aunt ins Entstehungsjahr
1892 katapultieren lässt, wird’s richtig komisch im Vienna’s English
Theatre. Jack (Mark Martin) ist betuchter Studiosus – steif und feierlich
spitzbübisch. Sein Freund Charley (Andrew S. Butler) stellt eine
schusseligere, geringfügig aufrichtigere Version desselben dar. Um den
gestelzten Backfischen Kitty und Amy (Olivia Wright und Jennifer Kidd) ihre
Liebe zu gestehen, werden sie minütlich erfinderischer, eingeschworener,
verlangen dabei ihrem Freund Babbs immer größere Verstellungskünste ab.
James Cawood ist großartig in dieser Tanten-Rolle: Typisch britisch, mit
hochrotem Kopf und rasenden Zweifeln streift er die Altweiberklamotten über,
beginnt sich darin zu gefallen, entwickelt Grazie als massige Frauengestalt,
kokettiert.

13.11.08
 

Kronen Zeitung


Fröhliche Blödeleien

Ein zeitloser Boulevard-Klassiker von Brandon Thomas zum 45. Geburtstag von Vienna’s English Theatre, des renommiertesten und ältesten englischsprachigen Theaters im kontinentalen Europa: Regisseur Philip Dart präsentiert mit einem hochkarätigen Schauspielerensemble die Verwechslungskomödie „Charley’s Aunt“.

Dart bietet solides Theaterhandwerk. Und wenn auch die Verwechslungs-Charade schon ein bisschen angestaubt ist, bietet sie doch köstliche Unterhaltung auf dem Silbertablett des feinen englischen Sprachwitzes.
Schon das Bühnenbild Terry Parsons vermittelt diese prüde, fest verankerte viktorianische Noblesse. Die beiden Oxford-Kommilitonen Jack (Mark Martin) und Charlie (Andrew Scott Bulter) haben zwar einen Butler (very British: James Morley), aber ohne Anstandsdamen ist kein Techtelmechtel mit den bezaubernden Ladies (Olivia Wright, Jennifer Kidd, Samara MacLaren) möglich. So muss der zufällig anwesende Kumpel und Laiendarsteller Babbs (James Cawood) – sehr gegen seine innere Natur – die verspätete Tante (Linsey Beauchamp) aus Brasilien spielen. Dort, wo die Nüsse herkommen!
James Cawood blüht in seiner Rolle in Frauenkleidern richtig auf, verdreht nicht nur dem hinzukommenden Vater von Jack (Mark Elstob) den Kopf, sondern erweckt den Jagd-Urinstinkt des herrlich-schrulligen Mr. Spettigue (Michael Keating). Bester Slapstick-Klamauk!
Dieser sarkastische Umgang mit der eigenen Prüderie unterhält: Kein einziges Mal muss man wehmütig an Heinz Rühmann oder Paul Hörbiger denkenxBis das fröhliche Durcheinander am Ende des allgemeinen Wohlgefallen dann doch etwas durchhängt, darf herzlich gelacht werden. So eine Tante aus Brasilien müsste man habenx.

Rüdiger Rausch
10.11.2008