OUT OF ORDER

A Farce by Ray Cooney
25 May - 03 July 2009
 
 

WIENER ZEITUNG


Eine Leiche zum Gspusi

(…) Out of Order ist zum Brüllen komisch. Für die hervorragende Qualität bürgt allein schon der „Olivier Award“, mit dem das Stück 1991 zur besten englischen Komödie gekürt wurde. Die ausnahmslos hervorragenden Schauspieler werden diesem Anspruch mehr als gerecht. Egal, ob James Cawood den verklemmten Erfüllungsgehilfen gibt, der unfreiwillig zum Womanizer mutiert, oder Stan Pretty, den so durchtriebenen wie geldgierigen Pagen: Das Resultat ist stets ein gnadenloser Angriff auf die Lachmuskeln des Publikums.
Wer unbedingt ein Haar in der Suppe finden will, kann gegen Ende des Stücks fündig werden, wenn Autor Ray Cooney an die Grenze des Erträglichen an Verwirrungen und Verwechslungen geht. Und trotzdem: Das Stück im Vienna’s English Theatre ist absolut empfehlenswert, für jeden, der wieder einmal herzhaft lachen will.

Alexander U. Mathé
29.05.2009
 

KURIER


Libido führt in eine Lügenkomödie

Ein höchst vergnüglicher Saison-Ausklang in Vienna’s English Theatre:
Selten wurde dort zwei Stunden lang so viel gelacht wie bei Ray Cooneys „Out of Order“, 1990 als „Best Comedy of the Year“ ausgezeichnet.
Keiner kann wie der englische Dramatiker und „Meister der Farce“ mit so akribischer, ja, mathematischer Präzision bürgerliche Katastrophen konstruieren, die absurd erscheinend, aber mit zwingender Logik ablaufen.
Im aktionsgeladenen Stück jagen alle im atemberaubenden Tempo über die Bühne – von einer Katastrophe in die nächste, und von einer Notlüge in die nächste. Komischer, nervenaufreibender und verrückter sind Türl-auf-Türl-zu-Komödien selten.
So führen die ausgeprägte Libido des englischen Abgeordneten Richard Willey, der sich mit einer Sekretärin der Opposition zum Tete-a-tete in einem Hotelzimmer trifft, und eine Leiche am Fenstersims zu Turbulenzen, aberwitziger Situationskomik mit reichlich Slapstick.
Die meisten Lacher ernten Jeffrey Harmer als verlogener Politiker und im Stück ein treibender Getriebener, der umwerfend komische James Cawood als drangsalierter Sekretär und Matthew Hendrickson als Leiche mit Auferstehungstendenzen.

Werner Rosenberger
29.05.2009
 

DER NEUE MERKER


Es gibt Mentalitätsunterschiede. Die Deutschen werden Komisches stets geringer schätzen als „Ernstes“ und bestehen noch immer humorlos und oberlehrerhaft auf die Trennung von „E“ und „U“. Kein Brite wird über gelungene Unterhaltung die Nase rümpfen, im Gegenteil – die berühmten „Olivier Awards“ gibt es auch für „Best Comedy“, und Ray Cooney, einer der Meister-Komödienschreiber des Landes, gewann ihn 1991 zu Recht für „Out of Order“. Es ist eines seiner besten, meist gespielten Stücke – und selbst, wenn man es kennt, sieht man es immer gerne wieder. Denn Kunststücke dieser Größenordnung verdienen Bewunderung – noch dazu, wenn man dabei Tränen lachen darf.
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Sagen wir nur so viel: Das Hotelzimmer hat einen praktischen großen Kasten, einen Balkon, der zur nächsten Suite führt, ein Schlafzimmer nebenan – für Verstecke der unerwünscht abgeschobenen Personen ist gesorgt (und das Herumschleppen einer Leiche reizt den schwarzen britischen Humor in aller Brillanz aus), und da ununterbrochen unerwünschte Leute herbeikommen, ob Hoteldirektor, Kellner, betrogener Ehemann oder schließlich unvermeidlich die Gattin des Abgeordneten, gibt es keine einzige ruhige Sekunde. Dabei ist der Politiker berufsmäßig unerschöpflich im Erfinden von neuen Lügen, und George versucht händeringend alles zu exekutieren, was da anfällt. Das ist eine Menge und hängt in zweieinhalb Spielstunden nicht eine Minute durch. Ein Kunststück besonderer Art.

George ist der zentrale Unglücksrabe des Geschehen, und wie James Cawood ihn zappelt, wie er nicht begreift und doch begreift und von einer Katastrophe in die nächste purzelt, ist ein nicht nur körperliches, sondern auch geistiges Slapstick-Kunststück. Der aalglatte Abgeordnete von Jeffrey Harmer mag zwar gelegentlich eine Sekunde stocken, wenn ihm die nächste Ausrede abverlangt wird, aber er ist mit Sicherheit immer alert mit einem Unsinn bei der Hand. Stan Pretty gibt einen schlauen Kellner, der sich finanziell unverschämt dabei gesund stößt, nötige Utensilien herbeizuschaffen, und David Warwick, ein Bild hochnasiger Hoteldirektoren-Eleganz im Maßanzug erster Qualität, sieht überall schmutzigen Sex, was ja leider nur ein Missverständnis ist. Das Kunststück dieser Komödie besteht auch darin, dass absolut jede Rolle gut ist – der hilflos doofe Ehemann von Edward Grace, und sogar das, was einfach als „a Body“ beschrieben wird, bekommt von Matthew Hendrickson höchst pointierte Wirkung.
Und die Damen, alle nur allzu willig, wie erwähnt? Jolana Lee zeigt reizvolle Fülle in weißen Spitzen und ein kindisches Gemüt, die elegante Sasha Waddell erweist sich als entfesselte Komödiantin, und Jocelyn Hughes überrascht damit, was unter einer Schwesterntracht alles stecken kann.
Der dies zusammenhält, heißt David Warwick, der dafür sorgt, dass diese neun „Figuren“ in einem eleganten Hotel-Bühnenbild (Terry Parsons) wie ein Uhrwerk ineinander greifen – und wer ausreichend Englisch kann, dem tut vor Lachen in kürzester Zeit alles weh.

Renate Wagner
28.05.2009
 

DIE PRESSE


Same procedure as in every election period!

Out of Order im English Theatre ist überraschend aktuell.
Der – 1990 in London uraufgeführte –  Plot bewegt sich verflixt nahe an der derzeitigen politischen Realität der Briten: Massenhafte Rücktritte von Regierungsmitgliedern wegen eines Spesenskandals, bei dem es u.a. um Hundefutter und Pornos auf Parteikosten geht. (…)
Im Vienna’s English Theatre dreht sich die verwickelte Verwechslungskomödie „Out of Order“ von Ray Cooney um ein defektes Fenster, das immer wieder guillotineartig herniedersaust – und meist jemanden trifft. (…) Um nicht aufzufliegen, greift Richard Willey zu einer Lüge, der die nächsten folgen müssen. Den Überblick haben gegen Ende alle verloren. Pigden (James Cawood) erinnert an Little Britain und Mr Bean, ist jedenfalls der beste Komiker: Schließlich geht’s bei dem Stück offensichtlich nicht darum, was, sondern wie es gesagt wird. Und seine Art kam beim Publikum unglaublich gut an.

trick
13. Juni 2009