THE PRICE

by Arthur Miller
26 Jan - 06 March 2009
 
 

DIE PRESSE


Theater: Der Preis ist nicht sehr heiß
Arthur Millers „The Price“ als nostalgisches Theater für Mimen in Vienna’s English Theatre.

Viel Staub liegt auf den alten Möbeln. Sie türmen sich auf dem Dachboden eines Abbruchhauses. Zwei zerstrittene Brüder wollen die familiären Mobilien verramschen. Der banale Anlass bringt sie zusammen, erstmals seit 16 Jahren. Es wird die Stunde der Abrechnung. Beide sind gescheitert: der Polizist Victor an der Lebenslüge, seine Karriere für den Vater geopfert zu haben, der Chirurg Walter an seiner Unfähigkeit, Menschen an sich zu binden. Die Vergangenheit, für sie wertloses Gerümpel, werden sie nicht los.
Millers Hit „Tod eines Handlungsreisenden“. Bilanz ziehen, das Leben von tröstlichen Träumen entrümpeln, auch vom amerikanischen Traum, jeder könne es schaffen – das war sein aufklärerisches Ethos. Doch in dieser Geschichte, die konstruiert und im Detail unplausibel bleibt, wirkt es heute so verblasst wie das Furnier auf den Möbeln der Gebrüder Franz.

„Tolle Rollen für Schauspieler“

Um es aufzupolieren, brauchte es eine kräftige Regiepranke. Doch das ist, zugegeben, nicht der Auftrag dieses Theaters, das „The Price“ bis 6.März als ein Stück Tradition zelebriert. Es soll die Staubkörner im Lichte gediegener Schauspielerei zum Glitzern bringen. Ganz im Geiste Millers – „tolle Rollen für Schauspieler“ nannte er sein Vermächtnis. Und die hat er auch hier geliefert. Die gar nicht so holzschnittartigen Studien des Märtyrers Victor und des Egoisten Walter sind dankbar – und Andy Prosky und Gary Sloan lassen sich, vor allem gegen Ende, nicht bitten. Leisa Mather als Victors Frau Esther liefert routinierte Stichworte zum brüderlichen Hahnenkampf.
Ein Leckerbissen für angejahrte Mimen aber ist der ironische Kontrapunkt zum Familiendrama: der alte, lebensweise Antiquitätenhändler Solomon. Er will einen guten Deal machen, wird in den Streit hineingezogen und verweigert sich doch der Rolle des salomonischen Richters. Ray Reinhardt liefert ein amüsantes, melancholisch grundiertes Porträt. Ein schöner Tribut an Robert Prosky: Der Vater des Victor-Darstellers führte Regie und sollte, wie früher mit beiden Söhnen in den USA, selbst den Solomon spielen. Er starb unerwartet im Dezember.

Karl Gaulhofer
03.02.2009
 

WIENER ZEITUNG


Familiendrama vor McCains Mutter

Amerikanische Prominenz zu Gast in Vienna’s English Theatre: Vor den Augen von Roberta Wright McCain fand am Mittwoch die Premiere von Arthur Millers “The Price” statt. Die Mutter des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain hat die Woche vor ihrem 97. Geburtstag zu einer Visite in Wien und zu einem Theaterbesuch genutzt.

Der hohe Besuch bekam eine Aufführung zu sehen, die den Vergleich mit guten amerikanischen Bühnen nicht zu scheuen braucht. Schauspieler, Bühnenbild, Regie: Alles passte herrlich gut zusammen. Das Stück selbst ist wegen der Wirtschaftskrise wieder aktuell. Handelt es doch von zwei Brüdern, die einander nach dem Tod des Vaters wiedertreffen, der durch die Wirtschaftskrise von 1929 verarmt war. Während der eine den Weg des Erfolgs beschritt, sorgte sich der andere unter Selbstaufgabe um den Vater.
So führen schließlich die Streitigkeiten über den Preis des Nachlasses zum Streit über die Vergangenheit und den Preis von Entscheidungen.

Alexander U. Mathé
31.01.2009
 

KRONENZEITUNG


Der Wert des Lebens

Manche Theaterstücke sind dank ihres inneren Feuers zeitlos kostbar. So auch
Arthur Millers „The Price“ das auch 40 Jahre nach seiner Entstehung durch
das Feuer einer Meisterdramaturgie packt. Vienna’s English Theatre zeigt „
The Price“ in der Regie des 2008 78-jährig verstorbenen Robert Prosky.

(…) Gegensätzliche Lebensentwürfe prallen aufeinander, kratzen an
Stereotypen, verlieren aber dank vielschichtiger Charakterzeichnung und der
souveränen Darsteller nie an Glaubwürdigkeit. Nur Solomon – mit
wunderschönem Shakespeare-Englisch – hat viel Freude am Scheitern
entwickelt. Er ist so trotz seiner 89 Jahre der Jüngste! Am Ende lacht nur
er. Und das teuflisch gut. Ein in seinen Höhepunkten geradezu weises, sehr
komplexes Stück, das nie belehrend wirkt.

Rüdiger Rausch
01.02.2009