THE IMPORTANCE OF BEING EARNEST

by Oscar Wilde
1 Nov – 22 Dec 2010
 
 

WIENER ZEITUNG


Der Spaß mit dem Ernst

Mit einem Stück wie “The Importance of Being Earnest” (“Ernst sein ist alles”) ist ein Theater grundsätzlich schon einmal auf der Siegerstraße. “Ich habe nichts zu deklarieren, außer mein Genie”, sagte Autor Oscar Wilde einmal bei einer Zollkontrolle in den USA. Und genial ist auch seine dreiaktige Komödie (den vierten Akt hat Wilde persönlich aus dem Stück genommen).

Wenn die Schauspieler dann noch wie im Vienna’s English Theatre das mit geflügelten Worten gespickte Werk spritzig und klar aufführen, wird der Theaterabend zum Genuss.

Ernest will die Cousine seines Freundes Algernon (James Cawood perfekt in der Rolle) heiraten. Blöd nur, dass der sich querstellt, weil er herausgefunden hat, dass Ernest eigentlich Jack heißt und ein Doppelleben führt. Auf dem Land gibt er den gestrengen Jack, während er in der Stadt als sein erfundener Bruder Ernest lumpen geht. Als Algernon dem Leben seines Freundes auf dem Land nachgeht, trifft und verliebt er sich in dessen Mündel. Eine Heirat verweigert nun Jack, der seine Chance zu einem Kuhhandel gekommen sieht. Doch Algernons Tante hat auch noch ein Wörtchen mitzureden. – Herzhaftes Lachen garantiert.

Alexander U. Mathé
5.11.2010
 

KRONEN ZEITUNG


English Theatre: Wildes “Importance”
Nichtstuer-Komödie

Oscar Wildes “Die Wichtigkeit, Ernst zu sein” – oder zu heissen! – . ist am deutschsprachigen Theater unter dem Titel “Bunbury” bekannt. Im Akademietheater stand eine Groteskversion mit Michael Maertens und Roland Koch auf dem Spielplan, das Original ist jetzt in Philip Darts Regie in Vienna’s English Theatre zu sehen.

Dem englischen Original von “The Importance of Being Earnest” entspricht die konservative, aber gelungene Produktion. Und entspricht Oscar Wildes Anliegen, dass Geld alles bedeute und dass man mit Geld und konservativer Haltung alles erreichen könne. Dennoch wird die gesellschaftskritische Behandlung des Stoffes spürbar: Zwei junge Nichtstuer bekommen – auch wenn der eine als Baby in einer Reisetasche gefunden wurde – ihre begehrten Bräute und ihre Stellung. Das im Grunde ernste Anliegen wird mit viel Humor abgehandelt. James Cawood und Tom Micklem sind die beiden charmanten Müßiggänger, die nach dem Willen ihrer liebenswert zickigen jungen Bräute unbedingt Ernst heissen sollen.

Olivia Wright ist die intellektuelle Gwendolen, Kristin Atherton die junge Landpomeranze Cecily. Köstlich wie zumeist in diesem Stück ist die herrschsüchtige Lady Bracknell von Kate Dove, die immer ihren Willen durchzusetzen weiß. Dazu passen Roger Bingham als versponnener Geistlicher, Jean Perkins als vergessliche, weltfremde Miss Prism und Moray Treadwell in zwei glänzenden Studien der Butler Lane oder Merriman. Sehr schön ist das leicht verwandelbare Bühnenbild und die hübschen Kostüme von Charles Cusick Smith. Erfolg ist Vienna’s English Theatre in den nächsten Wochen sicher.

V.P.
5.11.2010
 

KURIER


Die brillante Karikatur einer verlogenen Gesellschaft

Was tun, wenn man so gar keine Lust hat auf den Ernst des Lebens? Man isst noch ein Gurkensandwich. Oder erfindet für sich einen Doppelgänger …

Das Schmunzeln über Verwirrung; Verwechslung und das fröhlichste Chaos hat kein Ende: “The Importance of Being Earnest”, Oscar Wildes “triviale Komödie für ernsthafte Leute” – bis 22. 12. in Vienna’s English Theatre -, funktioniert auch 115 Jahre nach der Uraufführung immer noch als gesellschaftskritische Persiflage der snobistischen englischen Gesellschaft am Ende des Viktorianischen Zeitalters. Aufs Korn genommen wird dessen heuchlerische Fassade, Verlogenheit und die übersteigerte Wertschätzung von Rang, Namen und Herkunft.

Die von Philip Dart spritzig inszenierte Salonkomödie hat wenig Handlung, dafür um so mehr bösartige bis hintersinnige Spitzen. Und das Ensemble pflegt die hohe Kunst der brillanten, aber hohlen Phrase im doppelbödigen, ja absurden Spiel voller Witz und Charme – nach dein Motto: “In Dingen großer Wichtigkeit ist Stil, nicht Aufrichtigkeit das Entscheidende.” Wenn Tom Micklem als John Worthing seinen Bruder Ernst, und James Cawood als schrulliger, dandyhafter Algernon Moncrieff den todkranken Freund Bunbury erfindet, dann sind die beiden spät Viktorianischen Nichtstuer eigentlich keine Lügner. Sie gehen nur ökonomisch mit der Wahrheit um. Und sie lassen einem in der standesdünkeligen Welt der Lady Bracknell (Kate Dove) immer wieder die Lachtränen aus den Augenwinkeln wischen.

Werner Rosenberger
5.11.2010
 

DIE PRESSE


Oscar Wilde als echter britischer Dandy
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Zweimal Salonkomödie: „The Importance of Being Earnest“ ist seriös in Vienna’s English Theatre, schrill im 3-Raum-Anatomietheater – grundverschieden, doch beide Male toll inszeniert.

Oscar Wildes letztes Drama, „The Importance of Being Earnest“ (1895) ist so pointenreich, federleicht und zugleich tödlich giftig, dass es einen erfahrenen oder genialen Regisseur braucht, um höchsten Ansprüchen zu genügen. In jenem seziert der Dichter, der im selben Jahr wegen Homosexualität angeklagt wurde und für zwei Jahre ins Gefängnis in Reading musste, die scheinheilige britische Gesellschaft.
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Regisseur Philip Dart, dessen Inszenierung von „The Importance of Being Earnest“ derzeit in Vienna’s English Theatre zu sehen ist, schreibt, dass er bereits als Student das Stück aufführen wollte. Sein Lehrer habe ihm das aber versagt, weil er noch „viel zu unerfahren“ gewesen sei, dieses flammenhelle britische Lustspiel zu bewältigen. 30Jahre Warten haben sich gelohnt. Dart hat eine aparte Interpretation dieser Salonkomödie geliefert. Beste angelsächsische Schauspieler stehen ihm dabei zur Verfügung, sodass eine konventionelle, rasante, von Bonmots perlende Aufführung gelingt.
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James Cawood als Algernon Moncrieff ist ein Dandy ganz nach dem Vorbild Oscar Wilde, Tom Micklem als John Worthing bietet ihm als versnobter Gentleman, der zwischen Land und Stadt pendelt, den nötigen Widerpart. Die beiden frönen dem Laster des „Bunbury“ (so der andere Titel des Stückes – eine erfundene Figur, die sie als Ausrede für Eskapaden benutzen). Die Herren finden über mehrfach verschränkte Umwege zu dubiosem Eheglück, vielleicht sogar zu ein bisschen Identität. Olivia Wright ist eine hinreißend verschlagene Gwendolen, der jedes Mittel recht ist, um ihren John, den sie für einen Ernest hält, zu bekommen, Kristin Atherton die bizarre Tagebuchschreiberin Cecily, die sich ebenfalls einen Ernest herbeifantasiert, der sich vorerst als gewöhnlicher Algernon entpuppt.

NORBERT MAYER
19.11.2010